Verhaltenstherapie

Was ist Verhaltenstherapie?

Die Verhaltenstherapie wurde vor 50 Jahren auf der Grundlage der psychologischen Lernforschung entwickelt. Im Gegensatz zur Psychoanalyse, die aus der klinischen Praxis heraus entstand, beruht die Verhaltenstherapie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die in psychologischen Forschungslabors an Universitäten gewonnen wurden. Wichtige Beiträge zu dieser experimentellen Lernpsychologie stammen von PAWLOW und SKINNER.

In der Verhaltenstherapie wird davon ausgegangen, dass psychische Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten, wie Ängste, Depressionen, Essstörungen oder Suchtverhalten, im Lauf der Lebensgeschichte gelernt werden und daher mit therapeutischer Hilfe auch wieder verlernt werden können. Verhaltenstherapeuten versuchen Verhalten dadurch zu verändern, dass sie wissenschaftlich fundierte Lerngesetze anwenden. So können etwa Ängste, die durch Konditionierungsprozesse gelernt wurden, durch geplante Konfrontationen mit angstauslösenden Reizen und Situationen gezielt wieder abgebaut werden. Oder Depressionen, die sich aus einem länger andauernden Mangel an Bestätigungen ergeben haben, können mit Hilfe eines Aktivierungsprogramms dadurch überwunden werden, dass der Betroffene vom Verhaltenstherapeuten angeleitet und ermutigt wird, sich positiven Erlebensmöglichkeiten anzunähern und so wieder für Lebensfreude zu sorgen.

Im Unterschied zur Psychoanalyse, die therapeutisch in der Vergangenheit, also in der Kindheit eines Patienten ansetzt, bezieht sich die Verhaltenstherapie auf die gegenwärtige Lebenssituation des Klienten und versucht zu Verhaltens- und Befindlichkeitsveränderungen durch Ansetzen im Hier und Heute zu gelangen. Für das Gelingen des Therapieprozesses kommt es in der Verhaltenstherapie also entscheidend auf die Mitarbeit des Klienten an und dass er oder sie das in den Therapiesitzungen erarbeitete in seiner oder ihrer Alltagssituation umsetzen kann. Das therapeutische Vorgehen, in dem auch Hausaufgaben und Verhaltensübungen eine große Rolle spielen, muss für den Klienten dabei durchschaubar sein. Über den Abbau von Symptomen hinausgehend lernt der Klient auf diese Weise, seine Lebensführung mit immer weniger therapeutischer Unterstützung wieder selbständig und eigenverantwortlich zu übernehmen.